Freund Leid – Freund Schmerz

Jahresrückblick

Ein Auszug aus dem Buch „Leben in Gottes Gegenwart“. Einige Gedanken zum Leid und Schmerz von Br. Lorenz, der einen Brief an eine leidende Schwester schreibt.

Leid ist immer schmerzlich, ob es körperlicher oder seelischer Art ist. Doch obwohl ich weiß, dass Sie leiden, bete ich nicht, dass Sie von Ihrem Schmerz befreit werden. Nichtsdestoweniger bete ich. Ich bitte Gott ernstlich, Ihnen Kraft und Geduld zu geben, Ihren Schmerz so lange zu ertragen, wie es ihm gefällt.

Gott hat Sie an ein Kreuz geheftet. Können Sie nun Ihren Trost bei dem finden, der Sie an diesem Kreuz festhält? Er wird Sie davon lösen, wenn er es für richtig hält. Suchen Sie den Herrn als Ihre Stärke – als die Stärke, so viel und so lange zu ertragen, wie er es Ihnen zugemessen hat. Selig sind diejenigen, die mit ihm leiden.

Die Menschen der Welt können diese Wahrheit nicht verstehen. Das ist nicht verwunderlich. Sie leiden nicht als Christen. Sie leben in einer anderen Welt als Christen; deshalb betrachten Sie die Krankheit als Fehlschlag der Natur und nicht als göttliche Gnade. Aus ihrer Sicht gibt es im Schmerz nichts als Kummer und Elend. Doch wenn wir Krankheit als Geschenk aus der Hand Gottes betrachten, als einen Ausdruck seiner Barmherzigkeit und als ein Werkzeug, das er benutzt, um uns zur Vollendung des Heils zu führen, dann ist Leid etwas Köstliches. Es ist vernünftig und sogar tröstlich. Gott ist Ihnen, in gewissem Sinn, näher, wenn Sie krank sind.

Nach meiner Beobachtung hat selbst die Medizin, die wir einnehmen, nur soweit Erfolg, wie der Herr es erlaubt. Wenn der Schmerz von Gott kommt, dann kann auch Gott allein den Schmerz wegnehmen. Der Herr lässt die körperlichen Krankheiten oft dazu dienen, die Krankheit der Seele zu heilen.

Bleiben Sie also weiter in Gottes Gegenwart. Bei ihm zu sein ist wirklich Ihr einziger Halt und Ihr einziger Trost in der Bedrängnis

Ich werde den Herrn bitten, mit Ihnen zu sein.

Und dazu möchte ich ein Zitat von Dostojewski stellen.

Ich bin wie ein kleines Kind überzeugt davon, dass die Leiden vernarben und zum Ausgleich gelangen werden, dass das ganze beleidigende Komische der menschlichen Widersprüche entschwinden wird wie ein jämmerliches Traumgebilde, wie die garstige Erfindung eines Schwachen und Kleinen, wie ein Atom des menschlichen euklidischen Geistes; ich bin überzeugt davon, dass endlich, am Ausklang der Welt, im Augenblick ewiger Harmonie, etwas derartig Wertvolles sich ereignen und offenbaren wird, dass es genug ist für alle Herzen, zur Beschwichtigung aller Unwillen, zur Sühne aller von Menschen begangenen Übeltaten und alles von ihnen vergossenen Blutes, dass es mit einem Wort ausreicht dafür, dass es nicht nur möglich sein wird, alles, was mit den Menschen sich zutrug, zu verzeihen, nein, sogar auch zu rechtfertigen!


Quellen:
Bruder Lorenz und Frank Laubach: „Leben in Gottes Gegenwart“
Fjodor Dostojewski: „Die Brüder Karamasow“

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