Das Kreuz und die Siegespalme

Kreuz und Siegespalme

Ich stand am Wegesrande, ein wenig auszuruhn.
Nach einem heißen Tage drückt schwer das Kreuz mich nun.
Doch hielt die Siegespalme ich hoch in meiner Hand
und flüsterte: „Ich sehn‘ mich so nach dem Heimatland.“

Der Pilger sah ich viele an mir vorübergehn.
Ein jeder zog zum Himmel, vor Gottes Thron zu stehn.
Die Siegespalmen wehten im sanften Abendwind
und freudig wollt ich folgen, zum Vaterhaus geschwind.

Da — plötzlich hör ein Stöhnen ich ganz in meiner Näh
und sehe einen Pilger, gedrückt vom tiefsten Weh.
Ich eile hin voll Liebe, steh ihm zur Seite hier
und tröste: „Liebe Seele, wein nicht, ich helfe dir.“

Doch leise klagend kommt es von jenes Lippen schwer:
„Mein Kreuz, mein Kreuz o Bruder, ich kann, ich kann nicht mehr.“
Und mit Erschrecken seh ich, die Siegespalme fehlt
„O Pilger, sag mir, wo hast du sie nur hingestellt?“

Sehr stille frag ich weiter: „Erzähle doch, erzähl
von diesem, deinem Kreuze, erzähle liebe Seel“
„Ach“, klagt der arme Pilger „Gott legte hier auf mich
dies Kreuz, so schwer, so drückend, wie kann’s ertragen ich?

Denn alle meine Lieben gehn nicht wie ich den Weg.
Sie wollen gar nichts wissen, von einem schmalen Steg.
Was hab ich zu erdulden, was muss ertragen ich!
Und ich versuchte alles, doch nun erdrückt es mich.“

„Dies Kreuz“ sprach ich „o Seele, das lassen wir jetzt hier.
Wir wollen eilend finden, die Siegespalme dir.
Und hältst du die in Händen, dann fasse freudig Mut,
du wirst es bald erfahren, dass Gott noch Wunder tut.

Das Kreuz hier wird dir schwinden, denn wenn die Lieben dein
die Siegespalme sehen, wirst du eine Segen sein.
Gott kann durch seinen Geist dann, sie führn nach Golgatha.
Zum Hügel seines Kreuzes. Lass deine Not auch da!“

Gar viele Menschen legen ein eignes Kreuz sich auf
und klagen dann und stöhnen in ihrem Pilgerlauf.
Sie bringen Not und Sorgen und Stürme über sich,
verliern die Siegespalme, verzagen innerlich.

Das Kreuz, von Gott gegeben, ist nimmer dir zu schwer.
Er hat’s recht zugemessen, nicht weniger, nicht mehr.
Er gibt dir Kraft zum Tragen, das freudig du’s kannst tun
mit Sieg in deinem Herzen, zu seines Namens Ruhm.

— RITA HENSCHEL

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Kommentaren (3)

  1. Daniel

    Danke dir für das Gedicht, das hat mich sehr ermutigt 🙂
    Ich wünsche dir weiterhin Gottes Segen und Kraft, bei deiner Arbeit.

  2. Christine Ott

    Das Gedicht ist sehr schön….und auch sehr wahr!!!!Trauen wir doch Gott zu das Er durch uns scheinen kann und bei unseren Lieben auch zu Seinem Ziel kommt.

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