Warum wir vergeben sollten (Teil 1)

Warum wir vergeben sollen 1

Jesus und seine Jünger sind in Kapernaum der Heimatstadt von Petrus, Johannes und Jakobus. Vielleicht sind sie im Haus von Petrus und unterhalten sich. Die Jünger kommen wie so oft mit einer Frage zu ihm: „Wer ist der größte im Himmelreich?“ Jesus sagt: „Der, der sich selbst erniedrigt, wie ein Kind, der wird der größte im Himmelreich“.

Er warnt daraufhin seine Jünger, diejenigen, die sich erniedrigen zu verachten. Er spricht davon, dass er in die Welt gekommen ist, um die verachteten, um die verlorenen zu suchen und selig zu machen. Und erzählt ihnen die Geschichte vom verlorenen Schaf.

Und dann macht er das Thema praktisch. Er stellt Verachtung und die Suche nach Verlorenen in den Kontext der Gemeinschaft der Gläubigen: „Sündigt aber ein Bruder an dir…“ Da ist also ein Bruder, in dessen Leben Sünde ist. Das was er hier zeigt ist: Wir sollen den Bruder, der gesündigt hat nicht verachten, sondern ihn in Liebe suchen und ihm helfen.

Petrus will es aber wissen: „Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben? Ich meine, wenn er immer wieder an mir sündigt, ist er denn überhaupt mein Bruder? Ab wann ist es genug, irgendwann mal ist es doch genug, oder? Ist sieben mal genug?“ Jesus sagt: „Sieben mal? nicht sieben mal! 500 mal.“ also, 490 um genau zu sein. Und Jesus meint damit nicht, dass wir eine Strichliste führen sollen. 487, 488, 489, 490. So jetzt ist Schluss. Jesus sagt: „Du sollst deinem Bruder und auch deiner Schwester vergeben. Punkt.“
Und dann erklärt er warum.

Die Schuld

Da ist ein König, der mit seinen Untergebenen, die seine Güter verwalten abrechnet. Und da ist einer, nenne wir ihn mal Herr Meyer, der ist ihm 10.000 Talente schuldig. Wie viel Geld wäre das heute?

Ein Talent ist 6.000 Denare oder Groschen, wie Luther das genannt hat. Ein Groschen war ein Tagesverdienst eines Tagelöhners. Damit können wir ausrechnen wie viel Euro 10.000 Talente sind: Nehmen wir an ein Arbeiter hat einen Stundenlohn von 10 Euro und arbeitet 10 Stunden am Tag. Damit verdient ihr 100 Euro am Tag. Das ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber wir haben eine runde Zahl, mit der wir rechnen können.

Ein Talent ist dann 6.000 x 100 Euro. Das sind dann 600.000 Euro. 10.000 Talente sind dann 600.000 x 10.000 = 6.000.000.000. Das sind 6 Mrd. Euro. (!) Wer jetzt sagt, 100 Euro am Tag ist zu viel. Dann reduzieren wir das mal um die Hälfte. 7 Euro/Stunde und 7 Stunden am Tag. Das sind dann rund 50 Euro. Dann werden aus 6 Mrd. 3 Mrd.

Kannst du 3 Mrd. Euro Schulden zurückzahlen? So viel werden weder du noch ich in unserem ganzen Leben verdienen. Hier ist also eine Schuld, die unvorstellbar groß ist. Und wenn der König dann sagt, dass er ihn, seine Frau und seine Kinder verkaufen will, dann geht es ihm nicht darum seine 3 Mrd. wieder zu bekommen. Was wird er bekommen, wenn er ihn als Sklaven verkauft? Nicht mal eine Million. Hier geht es um eine Bestrafung, nicht um eine Wiedererstattung der Schuld.

Die Strafe

Und jetzt versetz dich mal in diesen Schuldner. Er wusste von seiner Schuld, vielleicht wusste er es genau, vielleicht wusste er nur, dass es viel war, aber wie viel genau nicht. Aber solange der König es nicht wusste, war es kein Problem. Da konnte er herrlich und in Freuden leben. Doch dann kam der Tag der Abrechnung. Da hat der König seine Schreiber und Rechner bestellt. Und die Bücher wurden aufgetan und es wurde abgerechnet. Und nun steht dieser Verwalter vor dem König und es wird eine Schuld nach der anderen aufgedeckt. Hier 10 Talente, hier 200 Talente, da 1.000 Talente.

Das Gesicht des Königs versteinert sich, mit jeder neuen Summe, die genannt wird. Und der Schuldner weiß, jetzt ist es vorbei. Er hört das Urteil und seine Welt bricht zusammen. Die Zukunft, die er für sich und seine Kinder geträumt hat ist zerstört. Vielleicht wird er seine Frau und seine Kinder nie wieder sehen und sie müssen als Sklaven hart arbeiten.

Er fällt vor dem König nieder und verspricht ihm alles zurück zu zahlen. Und sie beide wissen, dass er es nicht halten kann.

Vergeben oder nicht?

Der König erbarmt sich: „Geh heim, geh in Frieden. Ich vergebe und erlasse dir die Schuld. Ich vergesse die 10.000 Talente. Ich vergesse die 3 Mrd.“

Da geht unser Herr Meyer fröhlich aus dem Königspalast und sieht, Hoppla, da ist ja der Herr Müller. Der ist mir noch Geld schuldig. 100 Groschen um genau zu sein. (Mit der Rechnung oben, sind es 5.000 Euro.) Und der Herr Meyer greift sich den Herrn Müller. Packt ihn an der Gurgel: „Freundchen, hast du vergessen? Du bist mir noch Geld schuldig! Wann willst du es denn bezahlen?“

Und jetzt macht der arme Mann genau das, was der Andere eben bei dem König gemacht hat. Er versprich ihm die Schuld zurück zu zahlen. Mit dem Unterschied, dass hier beide wissen, dass er das, was er verspricht auch halten kann. Er braucht nur ein paar Monate, vielleicht ein Jahr um das Geld zusammen zu bekommen. Aber der Herr Meyer hat kein Erbarmen. Er schleppt seinen Schuldner ins Gefängnis.

Und das kommt eines Tages vor den König, und der König schickt die Wachen nach dem Herrn Meyer. „Sag mal, ich habe dir 3 Mrd. Euro erlassen und du kannst jemanden nicht mal 5.000 Euro erlassen?“ Jetzt wirft der König ihn ins Gefängnis, wo die Folterknechte, die Peiniger auf ihn warten. Er soll dort gequält werden, bis er alles bezahlt hat. Und da wir wissen, dass er das nie bezahlen kann, wissen wir, dass er da nie herauskommen wird.

Was sagt dir diese Geschichte? Meine Gedanken dazu findest du nächste Woche hier.

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