Evangelistischer Lebenswandel

Evangelistischer Lebenswandel

Als es aber Tag geworden war, ging er hinaus an einen abgelegenen Ort; und die Volksmenge suchte ihn und kam bis zu ihm, und sie wollten ihn zurückhalten, damit er nicht von ihnen wegginge. Er aber sprach zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkündigen; denn dazu bin ich gesandt. Und er verkündigte in den Synagogen von Galiläa.

— LUKAS 4,42-44

Wir lesen hier das Wort „muss“ im Bezug auf die Verkündigung des Evangeliums. Jesus begründet dieses „muss“ mit der Gesandschaft. Es war sein Auftrag in dieser Welt das Evangelium zu verkündigen.

Schlechtes Gewissen

Als ich vor 4 oder 5 Jahren mich mit diesem Thema auseinandergesetzt habe, als ich verstanden habe, dass auch ich den Auftrag habe als Nachfolger von Jesus Christus, so wie er das Evangelium zu verkündigen. Und als ich mein Leben dagegen gestellt habe und gesehen habe, dass ich viele Dinge als wichtig angesehen habe, aber die Verkündigung des Evangeliums nicht. Dass ich zwar viel über das Evangelium gewusst habe, aber es nicht in einfache und klare Worte fassen konnte, dass ich das Evangelium nicht gewusst habe, dann war da ein ganz starkes Gefühl vorherrschend. Das schlechte Gewissen.

Vielleicht geht es dir manchmal auch ähnlich. Und ich möchte dich hier ermutigen: Lass dich durch das schlechte Gewissen nicht aufhalten. Bring es zu Christus. Es war viel später in meinem Leben, als Gott mir eine andere wichtige Wahrheit gelehrt hat. Das Evangelium ist nicht nur für die Verlorenen dort draußen. Wir als Kinder Gottes brauchen es mindestens genauso sehr. Genau wie ein Sünder sich den Weg zum Himmel nicht verdienen kann, sondern auf den schauen muss, der ihm das verdient hat; werden wir als Erlöste nicht durch das was wir leisten in den Himmel eingehen, sondern durch das, was Er geleistet hat.

Und doch lehrt uns die Schrift (Matthäus 25,31-46), dass wenn das Evangelium an uns wirksam geworden ist, wir die Hände nicht faul in den Schoß legen. Unser Leben verändert sich und weil wir den Herrn lieben, weil wir die Menschen lieben tun wir Gutes. Weil wir den Herrn lieben und weil wir die Menschen lieben zeugen wir von dem, was Er an uns getan hat und verkündigen den Menschen die frohe Botschaft. Schlechtes Gewissen kann auch ein Motiv für die Evangelisation sein. Und das ist kein reines, Gott angenehmes Motiv.

Wie anfangen?

Nun, wenn du den Auftrag Christi angenommen hast, wenn du ihn tun willst, wie fängst du an? Sollst Du jetzt jedes Wochenende durch die Stadt gehen und jedem den du dort siehst das Evangelium verkündigen? Musst du jetzt jeden Tag auf der Arbeit allen Leuten von Christus erzählen? Vielleicht habt ihr solche Leute kennen gelernt. Das was ich beobachtet habe, dass durch solchen Aktionismus selten der Name Jesus Christus erhoben und geehrt wird. Sondern eher die Verachtung davor geschürt wird.

Auf der anderen Seite wird manchmal der Ratschlag gegeben, dass man so lange im Kämmerlein bleiben muss, bis das Herz von Liebe entzündet wird und hell brennt. Erst dann darf man hinausgehen und die frohe Botschaft verkündigen. Meine Erfahrung ist, dass man dann nie dazu kommt hinaus zu gehen. Und der Funke, mit dem das Gebet im Kämmerlein angefangen hat mit der Zeit einfach verlischt.

Die Wahrheit ist, der evangelistische Lebenswandel fängt im Kämmerlein an. Aber wir dürfen dort nicht auf uns und unser brennendes (oder auch nicht brennendes) Herz schauen. Wir müssen dort auf Gott schauen. Auf seine Heiligkeit und seinen Zorn und seine Güte. Da war ein Missionar, der im Sterben lag. Dort auf seiner Missionsstation im Urwald. Und einige seiner „Jünger“ Eingeborene, die sich bekehrt haben und selbst evangelistisch tätig waren versammelten sich an seinem Bett. Ihre Frage war: „Bruder, hast du noch einen Wunsch?“ Und der alte sagte: „Ich wünsche, dass ihr alle für eine Stunde in die Hölle kommt. Damit ihr wisst, wie schrecklich die Hölle ist. Um mit diesem Wissen den Menschen die frohe Botschaft zu verkündigen“. Lass uns damit anfangen, dass wir einen Blick für die Verlorenen entwickeln. Lass uns das zum Anliegen in unseren Gebeten machen.

Wenn ich die öffentlichen Gebete in den verschiedenen Ortsgemeinden beobachte, dann habe ich den Eindruck, dass der Schwerpunkt in den Bitten auf unseren eigenen Nöten und Problemen liegt. Auf den Nöten und Problemen der Gemeinde und der Geschwister. Lass uns doch mal die Nöte und Probleme der Verlorenen in den Fokus rücken. Der Menschen, die hier in unserer Stadt leben und in Massen dem ewigen Verderben zueilen. Lass uns für die Menschen in unserem Land, in den Städten, in denen es keine lebendige Gemeinde sondern nur tote Kirchen gibt beten. Für die Völker weit über dem Meer, die das Evangelium nie gehört haben und wenn dort niemand hin geht, um es dort zu verkündigen, es niemals hören werden. Lass uns dafür im Kämmerlein und in den Gottesdiensten und Gebetsstunden beten.

Der evangelistische Lebenswandel schließt aber auch das „Hingehen“ ein. Beten und Hingehen und Verkündigen sind nicht zwei aufeinander folgende Schritte, sondern es ist ein Schritt. Das Beten feuert mein Hingehen an und mein Hingehen feuert mein Beten an. Durch das Hingehen bekommen die Massen der Verlorenen ein Gesicht und die Gesichter bekommen einen Namen. Ich kann ganz konkret für Menschen beten, für die vielleicht niemand bisher gebetet hat.

Lass dich nicht davon abhalten, dass Du sagst: „Ich kenne ja das Evangelium noch nicht gut genug. Ich kann nicht auf alle Fragen, die gestellt werden antworten.“ Das ist nicht schlimm. Durch die Fragen denkst du mehr über das Evangelium nach, du suchst in der Schrift und findest Antworten. Und ich möchte dich auch von dem Erfolgsdruck befreien. Es wird sich nicht jeder bekehren mit dem du sprechen wirst. Aber wenn einer, der vorher nicht an Gott geglaubt hat, anfängt nach Gott zu fragen. Dann hast du ihn näher zu Gott gebracht. Wenn einer der bisher geglaubt hat, dass er ein guter Mensch ist erkennt, dass er ein Sünder ist, dann hast Du ihn näher zu Gott gebracht. Wenn einer, der in Verzweiflung nach Frieden in seiner Seele sucht erkennt, dass Christus gekommen ist um ihm diesen Frieden zu geben, dann hast du ihn näher zu Gott gebracht. Vielleicht säst du nur aus und wirst nie ernten. Aber es werden andere kommen, sie werden das was du ausgesät hast und was der Herr wachsen ließ ernten. Und in der Ewigkeit, da werden sich beide freuen, der da sät und der da erntet.

Hingehen

Wie geht man aber hin? Wie macht man das ganz praktisch? Da gibt es eine moderne Redewendung: Du musst deine Komfortzone verlassen. Du musst vom Sofa aufstehen und etwas tun, was du bisher nie getan hast. Etwas tun, das dir unangenehm ist. Etwas tun, wovor du Angst hast. Fahr doch mal in die Stadt. Geh durch die Fußgängerzone und sprich fremde Menschen an. Fang ein Gespräch an, frag ihn ob er sich für religiöse Dinge interessiert. Wenn ja, warum, wenn nicht, warum nicht? Frage ihn, ob er glaubt, dass er in den Himmel kommt. Und dann kannst Du mit dem Evangelium anfangen. Oder in der Mittagspause, mit den Kollegen, mit denen du vielleicht schon seit Jahren zusammen Mittag machst. Frag ihn: „Kennst du das Evangelium von Jesus Christus?“ Wahrscheinlich wird er mit „Nein“ antworten. Frag ihn, ob du ihm das erzählen darfst. Wahrscheinlich wird er mit „Ja“ antworten. Bingo! Dann fang einfach an.

Beim evangelistischen Lebenswandel gehört die Verkündigung des Evangeliums als etwas ganz normales zum Leben dazu. Wie wir das tun, kann sehr unterschiedlich sein. Weil wir alle sehr unterschiedlich sind. Mir fällt es sehr schwer wildfremde Menschen anzusprechen. Für meine Frau Ida ist es gar kein Problem mit einem Unbekannten ein Gespräch anzufangen. Dafür mag ich in der Mittagspause keine seichte Unterhaltung über das Fußballspiel am Wochenende. Wir tauchen regelmäßig in tiefe gesellschaftskritische und philosophische Fragestellungen ab. So ist Ida vielleicht mehr der Typ für die Stadt und ich der Typ für die Mittagspause.

Bitte Gott, dass er dir zeigt, was du tun kannst. Was für dich das „Hingehen“ bedeutet. Da war der kleine kranke Junge, der im Dachgeschoß im Bett liegen musste. Er schrieb Bibelverse auf kleine Zettel und warf sie aus dem Fenster. Und Menschen bekehrten sich. Frag Gott, was du tun sollst. Oh, er wird es dir sehr gern sagen. Und dann musst du es tun. Dann musst du aufstehen und hingehen.

Hingehen heißt Hingeben

Hingehen bedeutet sich Gott anbieten. Zu sagen: „Herr, hier bin ich, sende mich!“
Und sei nicht erschrocken, wenn Er dir etwas Großes sagt. Wenn er sagt: Verkaufe alles was du hast, komm und folge mir nach. Komm folge mir nach in den mittleren Osten oder Südostasien oder Zentralafrika. Jesus sagt nicht zu jedem, „verkaufe alles…“ Aber ich kenne in meiner Generation und in der Generation meiner Eltern niemanden, der das getan hätte. Und da frage ich mich, liegt es daran, dass Gott niemanden senden will oder dass niemand gehen will.

In unserer Vorstellung sind es wahrscheinlich immer junge Leute die alles verlassen und hingehen sollten. Aber warum sollten das nicht auch alte Leute machen können? Wenn jemand mit 60 oder 65 Jahren in die Mission geht, dann hat er vielleicht noch 10 bis 20 fruchtbare Jahre im Weinberg des Herrn vor sich. Und wir müssen heute nicht mal fremde Sprachen lernen. Wir leben in einem Land, in das andere Länder Missionare entsenden.

Dazu möchte ich dich ermutigen. Biete dich dem Herr an. Sei bereit zum Verzichten. Ich habe schon häufig gebetet: Herr, hier bin ich. Ich bin bereit auf mein gutes Gehalt zu verzichten. Ich bin bereit auf die Bequemlichkeit unseres Hauses zu verzichten. Ich bin bereit auf die Bildungschancen und Entwicklungsmöglichkeiten meiner Kinder zu verzichten. Ich bin bereit auf die Sicherheit und die Gesundheitsversorgung dieses Landes zu verzichten. Herr, hier bin ich, sende mich. Um deines heiligen Namens Ehre willen. Sende mich. Herr, wenn du mich irgendwie in deinem Reich gebrauchen kannst, hier bin ich, sende mich!

Und er ist der Herr. Er kann mir alles lassen und mich unter meine Arbeitskollegen und Nachbarn senden. Unter Leute die mich schätzen und mich achten. Und er kann mir alles nehmen und mich unter Moslems, die mir nach dem Leben trachten senden. Aber ich bin bereit.

Bist du bereit?

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Kommentaren (2)

  1. Werner

    Hallo Robert,

    du sprichst in deinem Artikel an dass die Gemeinde sich nur auf die eigenen Nöte und Bedürfnisse konzentriert. Das sehe ich genauso.

    1. Die Predigten sind oft auf die persönliche Erbauung und Zurechtweisung konzentriert. Wenn wir hingegen das Leben von Jesus anschauen, und er ist unser Vorbild, dann hat er gepredigt, es seinen Jüngern vorgemacht (geheilt, geliebt) und sie dann ausgesendet nach dem Motto: „so, ihr habt jetzt alles gesehen was ich gemacht habe, jetzt seid ihr dran. Ihr seid bevollmächtigt. Geht in alle Welt…“ Dieses Training (Wort Gottes hören, sehen, nachmachen) sollte auch in unseren Gemeinden Vorbild sein.

    2. Wenn die Gemeinde Menschen ausbildet, dann bildet sie in der Regel Leute für den Dienst in der Gemeinde aus. Ich habe mich letztens mit einer Person ausgetauscht, die ein Herz für Straßenkinder hatte und das dem Pastor in ihrer Gemeinde vortrug, der sie erstmal zurechtwies mit den Worten: „Sing doch erstmal im Chor mit“. Dieses Denken hat sich gut eingeprägt, wer im Chor mitsingt, der ist ein guter Christ, wer ein Herz für die Menschen „in der Welt hat“ wird als komisch empfunden. Fakt ist, wir sind Bachelor-Christen mit 100% Theorie und 0% Praxiserfahrung. Und wenn es etwas manchmal mehr Praxiserfahrung ist, dann beschränkt sich diese nur auf die Gemeinde.

    3. Die Lösung? Die Not der Menschen sehen, dafür beten und handeln (wie es z.B. ein Georg Müller oder ein William Booth tat). Jeder ist dazu berufen. Zu warten bis es ein anderer macht oder sich zu beschweren (bei Gott oder Menschen) bringt gar nichts. Wir veranstalten Gottesdienste im Gemeindehaus und hoffen dass jemand Verlorenes hereinkommt und die gute Botschaft hört, was vielleicht mal ab und an passiert, anstatt die Botschaft zu den Menschen zu bringen. Wie du schon sagtest, die eigene Komfortzone/das Gemeindehaus zu verlassen. Was wenn jeder diesen Auftrag ausführt?

    Gottes Segen dir
    Werner

  2. zEG

    Zitat (Tobias Faix): Wenn wir nicht missionarisch sind, ersticken wir mit der Zeit an der eigenen Geistlichkeit.

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