Warum du fasten solltest

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Jede Religion kennt das Fasten und doch ist es für fast alle ein Mysterium. Warum faste ich? Was bringe ich mit dem Fasten zum Ausdruck? Und wenn ich die Nachfolger von Jesus Christus anschaue, dann sehe ich, dass für viele von ihnen, mich inklusive, das Fasten ebenfalls ein Mysterium ist. Müssen wir fasten? Warum sollen wir fasten? Was ist der Sinn des Fastens? Wofür können wir fasten? Wie fastet man richtig? Selten findest du Menschen, die über diese Fragen ausgiebig nachgedacht und einfache, klare Antworten darauf haben.

Ich selbst habe noch nicht ausgiebig darüber nachgedacht, aber ich habe ein paar Antworten. Und hier möchte ich nur eine Frage beantworten: Was ist der Sinn des Fastens für Christen? Oder was ist das neutestamentliche Fasten?

Die Anleitung für das neutestamentliche Fasten finden wir im Alten Testament.

Um Zions willen schweige ich nicht und um Jerusalems willen lasse ich nicht ab, bis seine Gerechtigkeit hervorbricht wie Lichtglanz und sein Heil wie eine brennende Fackel. Und die Heiden werden deine Gerechtigkeit sehen und alle Könige deine Herrlichkeit; und du wirst mit einem neuen Namen genannt werden, den der Mund des Herrn bestimmen wird. Und du wirst eine Ehrenkrone in der Hand des Herrn sein und ein königliches Diadem in der Hand deines Gottes. Man wird dich nicht mehr »Verlassene« nennen und dein Land nicht mehr als »Wüste« bezeichnen, sondern man wird dich nennen »Meine Lust an ihr« und dein Land »Vermählte«; denn der Herr wird Lust an dir haben, und dein Land wird wieder vermählt sein. Denn wie ein junger Mann sich mit einer Jungfrau vermählt, so werden deine Söhne sich mit dir vermählen; und wie sich ein Bräutigam an seiner Braut freut, so wird dein Gott sich an dir freuen. O Jerusalem, ich habe Wächter auf deine Mauern gestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht einen Augenblick schweigen sollen. Die ihr den Herrn erinnern sollt, gönnt euch keine Ruhe! Und lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem [wieder] aufrichtet, und bis er es zum Ruhm auf Erden setzt.

— JESAJA 62,1-7

Das sieht zwar aus, als ob ich ein Fehler gemacht habe und die falsche Stelle zitiert habe, denn hier kann man auf den ersten Blick nichts vom Fasten entdecken. Aber lass uns mal hier genauer hinschauen, lass uns eintauchen und die Schätze, die hier schlummern heben. Und du wirst sehen, dass es eine der schönsten Stellen ist, die das neutestamentliche Fasten erklärt.

Fasten und Beten

Schauen wir uns mal den 1. , den 6. und den 7. Vers an.

Um Zions willen schweige ich nicht, und um Jerusalems willen lasse ich nicht ab

…ich habe Wächter auf deine Mauern gestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht einen Augenblick schweigen sollen. Die ihr den Herrn erinnern sollt, gönnt euch keine Ruhe! Und lasst ihm keine Ruhe

— JESAJA 62,1.6.7

Wir sehen hier ein Bild des unablässigen Betens. Menschen, die nicht schweigen, die nicht aufhören zu beten. Die den ganzen Tag und die ganze Nacht beten. Sie lassen sich selbst und Gott keine Ruhe.

Unsere älteste Tochter und unser kleiner Sohn hatten eine Sache gemeinsam. Wenn sie in dem Alter zwischen eins und zwei Jahren krank waren, dann ließen sie sich selbst und uns keine Ruhe. Sie wollten zu Mama ins Bett, dann zu Papa auf den Arm, dann wieder in ihr Bett, dann zu Papa, dann was trinken, dann wieder zu Mama. Ihnen ging es schlecht und sie wussten nicht, was ihnen hilft und so haben sie die ganze Nacht nach uns gerufen. Ein kleiner Vergleich mit den Menschen, die Tag und Nacht zu Gott rufen und sich selbst und ihm keine Ruhe gönnen. Warum machen sie das?

Der Kontext dieses Kapitels in Jesaja zeigt prophetisch auf die Zeit als Jerusalem zerstört ist und das Volk Israel zerstreut ist. Aber jetzt sind da Menschen, die sich vorgenommen haben unablässig Gott zu bitten, sich zu erbarmen. Und solches Beten geht einher mit Fasten.

Einer von diesen Menschen die dann gebetet haben war Nehemia. Als er auf dem Schloss Susa die Nachricht bekommt von der Schmach Jerusalems dann lesen wir:

Und es geschah, als ich diese Worte hörte, da setzte ich mich hin und weinte und trug Leid etliche Tage lang; und ich fastete und betete vor dem Gott des Himmels.

— NEHEMIA 1,4

Obwohl in diesem Abschnitt in Jesaja 62 kein Wort vom Fasten steht, wird schnell klar, dass solches Beten nicht ohne Fasten geht. Und das gilt auch umgekehrt: Fasten geht nicht ohne solches Beten. Fasten ohne Gebet ist eine gewöhnliche Diät. Ich weiß nicht von wem dieser Spruch stammt, aber er trifft den Nagel auf dem Kopf.

Und es wird noch etwas klar. Bei solchem Fasten und Beten geht es nicht um kleine Dinge. Es geht nicht um persönliches Wohlbefinden. Das Ziel solchen Betens muss größer sein als Freiheit von Schmerzen, Erfolg im Beruf oder Bewahrung auf Reisen. Aber was ist es? Wofür lohnt es sich etliche Tage Leid zu tragen, nichts zu essen, sich keine Ruhe zu gönnen und Gott keine Ruhe zu lassen?

Dieser Abschnitt gibt uns drei Gründe, für die es sich lohnt so zu beten.

1 Die Herrlichkeit Gottes in der Gemeinde

Um Zions willen schweige ich nicht, und um Jerusalems willen lasse ich nicht ab, bis seine Gerechtigkeit hervorbricht wie Lichtglanz und sein Heil wie eine brennende Fackel.

— JESAJA 62,1

Die Gerechtigkeit Gottes soll in Jerusalem, in Zion aufleuchten. Heil oder Errettung und Erlösung soll dort brennen. Und die Gerechtigkeit und das Heil ist in Jerusalem aufgeleuchtet. Diese Gebete wurden erhört. Du musst nur die Apostelgeschichte lesen. Im ersten Kapitel siehst du die Jünger, die ein Herz und eine Seele sind. Im zweiten Kapitel bekehren sich nach einer Predigt 3.000 Leute. Im dritten Kapitel springt ein von Geburt Lahmer auf und läuft umher. Im vierten Kapitel wird die Gemeinde verfolgt und sie freuen sich darüber, sie beten und die Erde bebt. Im fünften Kapitel tötet Gott die Heuchler in der Gemeinde. Und ich könnte jetzt Kapitel für Kapitel die großartigen Taten Gottes aufzählen. Und wenn ich das in einem Satz zusammenfasse, sehen wir da die Herrlichkeit Gottes in der Gemeinde.

Das Gebet heute ist, dass Gott seine Herrlichkeit heute, in seiner Gemeinde, dem geistlichen Jerusalem so offenbart, wie damals in der Stadt Jerusalem. Denn machen wir uns nichts vor. Wenn wir in unsere Ortsgemeinden schauen, da gibt es zwischen dem, was bei uns passiert und dem, was damals in Jerusalem passiert ist, einen Unterschied. Mir macht dieser Unterschied zu schaffen. Und ich bin es satt Ausreden zu finden und Ausreden zu hören, warum es diesen Unterschied gibt und geben muss. Ich wünsche mir, dass es heute anders wird, dass es so wird, wie es damals war. Dass die Herrlichkeit Gottes heute in seinem Volk sichtbar wird. Dass sie hervorbricht, wie Lichtglanz und aufleuchtet, wie eine brennende Fackel.

Dafür lohnt es sich zu fasten. Wenn dann der Hunger kommt, schaue ich zu Gott und sage: „Mehr als Essen, will ich deine Herrlichkeit sehen!“ Wenn vor Hunger der Kopf schmerzt und der Verstand leicht benebelt ist, rufe ich zu Gott: „Herr, mehr als Freiheit von den Schmerzen, mehr als volle Konzentrationsfähigkeit will ich Dich. Will ich, dass deine Herrlichkeit in der Gemeinde sichtbar wird! Bitte komm in unsere Mitte, komm mit deiner Vollmacht und Größe! Gib eine Erweckung! Und fange bei mir an.“

2. Die Rettung der Völker

Und die Heiden werden deine Gerechtigkeit sehen und alle Könige deine Herrlichkeit;

— JESAJA 62,2

Die Herrlichkeit Gottes in der Gemeinde soll nicht dazu dienen, dass wir uns in diesem Glanz sonnen. Der Lichtglanz soll in unserer Ortsgemeinde in unserer Stadt aufleuchten. Und soll von da aus bis an die Enden der Erde laufen. Denn dort gibt es Orte, an denen niemand jemals das Evangelium verkündigt hat. Es gibt Städte auf dieser Welt, in denen nicht ein einziger wahrer Christ lebt. Und die Einwohner leben in geistlicher Finsternis und wissen nicht wer Christus ist. Und täglich sterben dort Menschen, die aus einer zeitlichen Finsternis in die ewige Finsternis fallen.

Die Herrlichkeit Gottes kommt dort nicht durch Youtube, Facebook oder Twitter hin. Gott braucht wie in Antiochien Herzen die brennen und Gemeinden die senden. Gott braucht Füße, die hingehen, wo bisher noch keiner hingegangen ist und Münder, die die herrlichste aller Botschaften verkündigen.

Der zweite Grund um zu fasten, ist die Bitte, dass das Licht des Evangeliums dort aufleuchtet, wo es ganz dunkel ist. Dafür lohnt es sich die Nacht aufzubleiben und zu beten: „Herr Jesus, da gibt es einen Ort, wo dein herrlicher Name nicht bekannt ist. Da gibt es eine Stadt, in der dein Banner nicht weht, in der deine Herrlichkeit nicht aufgerichtet ist. Herr ich will keine Ruhe und ich lass Dir keine Ruhe. Bitte, sende Männer und Frauen dort hin, Männer und Frauen, die den einzigen Weg zur Erlösung in ihrem Herzen tragen und in ihrem Mund führen. Und wenn keiner hingehen will, sende mich!“ Und wenn du am Morgen den Kaffeeduft vernimmst, sich deine Augen mit Tränen füllen und dein Herz schreit: „Vater, mehr als ein leckeres Frühstück will ich Dich! Mach unsere Herzen zu Fackeln die brennen, die hingehen und die Rettung denen bringen, die auf dem Weg ins ewige Verderben sind!“

3. Die Rückkehr des Königs

Der zweite, dritte und vierte Vers beschreiben in Bildern die Erfüllung der beiden ersten Bitten. Und am Ende des vierten und im fünften Vers finden wir den dritten Grund um zu fasten.

der Herr hat Lust zu dir und dein Land wird wieder vermählt sein. Denn wie ein Jüngling sich mit einer Jungfrau vermählt, so werden sich deine Kinder dir vermählen; und wie sich ein Bräutigam seiner Braut freut, so wird sich dein Gott über dich freuen.

— JESAJA 62,4-5

Hier finden wir das Bild der Hochzeit, das Bild vom Bräutigam und Braut. Die Verben in diesem Abschnitt stehen in der Zukunftsform. Das heißt das Bild zeigt uns hier eine Braut, die auf ihren Bräutigam wartet. Alttestamentlich gesehen, wartet das Volk Israel auf den verheißenen Messias.

Aber lass uns mal ins neue Testament gehen. Das musst du sehen. Als Jesus hier gelebt hat, gab es schon Menschen, die gefastet hatten. Aber seine Jünger haben es nicht getan. Und so gab es einige, die ein Problem damit hatten:

Warum fasten wir und die Pharisäer so viel, deine Jünger aber fasten nicht? Und Jesus sprach zu ihnen: Können die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird, und dann werden sie fasten.

— MATTHÄUS 9,14-15

Hier hat sich die Verheißung aus Jesaja 62 erfüllt. Der Bräutigam war da und deshalb hatten die Jünger keinen Grund zum Fasten. Aber Jesus sagt, dass sie fasten werden. Nämlich dann, wenn der Bräutigam von ihnen genommen sein wird. Und das ist genau die Zeit in der du und ich leben. Die Zeit da der Bräutigam zur rechten der Herrlichkeit im Himmel ist und seine Braut hier auf ihn wartet. Diese Braut fastet und betet. Und der Kern ihrer Bitte ist ein mit Sehnsucht angefülltes „Herr, komme bald!“

Mit dieser Bitte vor Augen müssen wir den 6. Vers in Jesaja lesen.

O Jerusalem, ich habe Wächter auf deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nimmer stille schweigen sollen!

— JESAJA 62,6-7

Die Schrift zeigt uns das Bild der Wächter, die vor Gefahren warnen sollen. Die Ausschau nach dem Feind halten und das Volk warnen. (Hesekiel 33). Aber hier ist ein anderes Bild. Es ist verwandt mit dem Bild aus Jesaja 52.

Da ist die Stimme deiner Wächter! Sie werden ihre Stimme erheben und miteinander jauchzen; denn Auge in Auge werden sie es sehen, wenn der Herr wieder nach Zion kommt.

— JESAJA 52,8

Die Wächter hier halten nicht Ausschau nach dem Feind. Der Feind steht vor den Toren. Sie halten die Ausschau nach dem König, der wieder zurück kommt und dem Feind in den Rücken fällt. Und Gott sucht Menschen, die den ganzen Tag und die ganze Nacht Ausschau halten nach dem König. Die die beste aller Speisen verachten und sagen: „Mehr als Essen will ich Dich! Will ich Dich sehen, wie du bist. Will ich Dich sehen, wie du mit allen deinen Engeln wiederkommst. Auge in Auge will ich dich sehen. Herr, komme bald!“

Wir hören diese Bitte selten in unseren Tagen, nicht wahr? Ich selbst habe fast nie darum gebeten. Und als ich die ersten male darum beten wollte, da ist es mir sehr schwer über die Lippen gekommen. Ich habe ja noch so viel vor in meinem Leben. Und das führte mich zu einer Frage die ich dir, lieber Leser, vorlegen möchte: Kann es sein, dass wir uns daran gewöhnt haben, dass unser König nicht da ist? Kann es sein, dass wir ganz gut ohne ihn zurechtkommen, dass wir es uns in dieser Welt ganz bequem eingerichtet haben? Kann es sein, dass wir gar nicht wollen, dass er bald wiederkommt?

Ich habe Buße getan und angefangen um die Sehnsucht nach Ihm zu bitten.

„Herr, komme bald!“ ist der dritte Grund, für den es sich wahrhaftig lohnt zu fasten. Und wenn ich dann in der Stadt an einer der Dönerbuden vorbeilaufe und der würzige Duft und der Hunger meine Fantasie und den Wunsch anregen in das knusprige Brot und das leckere Fleisch reinzubeißen, dann denke ich an Ihn: „Herr mehr als das, will ich Dich. Sieh die Not in der wir leben. Sieh die Zerrissenheit, die Geschwister die nicht glühend in Liebe miteinander für Dich arbeiten, sondern im besten Fall nebeneinander. Sieh, dass die Sünde in die Gemeinde hineinkriecht. Sieh, dass die Weltlichkeit auf den verschiedensten Ebenen in die Gemeinden schwappt und unsere Gedanken und unser Leben verunreinigt. Herr wie langen noch? Herr wann kommst Du? Bitte, mach dem ein Ende! Bitte, komm bald! Bitte!“


Inspiriert durch eine Predigt von David Platt

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