Ein Totenhain

Ein Totenhain auf werden-wie-jesue J

Alles Glück kommt durch Menschen und alles Unglück kommt auch durch Menschen.

Die bewohnten Hochländer Zentralafrikas sind meist sehr arm an Holz. Nur hier und da wird das Auge durch einen Hain uralter Bäume erquickt, in deren Schatten sich das Grab eines der Könige dieses Landes befindet. Aber niemand darf solchen Hain betreten und vor der Sonnenglut Schutz und Erquickung in ihm suchen. Mit Scheu zieht der Wanderer an ihnen vorüber. Die Hyänen haben darin ihre Behausung. Sobald die Dämmerung hereinbricht, verlassen sie das Dickicht und durchschweifen mit ihrem schaurigen Geheul das Land.

Alles Glück kommt durch Menschen und alles Unglück kommt auch durch Menschen. Die einen gleichen einem düsteren Totenhain. Ihre Taten ragen wohl hoch empor wie die Totenhaine Ruandas. Aber heimlich fürchtet man sich vor ihnen; denn man ist keinen Augenblick sicher vor seinen Hyänen, die herauszubrechen drohen.
Menschen, aus denen immer wieder der kalte Hauch zynischer Geringschätzung anderen gegenüber oder der alles lähmende, sich überhebende Hochmut, die Gier nach irgendetwas anderem als Jesus allein, kleinliche Entrüstung oder der unheimliche Vergeltungstrieb hervorbricht, die sind schrecklicher also Hyänen und unheimlicher als solch ein scheu umgangener Totenhain.

Wie freundlich dagegen jener andere Hain, an dem mich mein Weg öfters vorbeiführte. Wenn ich, vom Kiwusee kommend, die hohen Randgebiete des Nils erklommen hatte und nun in das Tal des Maschiga-Baches hinunterstieg, dann schaute ich jedesmal aus nach einem grünem Fleck inmitten des ausgedörrten Graslandes. Welche Freude, wenn endlich das kleine Wäldchen auftauchte. Nicht immer reichte die Zeit, den Bach zu durchqueren, um im Schatten der Eukalypten auszuruhen. Mein schwarzer Begleiter aber sprang jedesmal hinüber und kehrte mit einem ganzen Tuch voll köstlicher Zitronen zurück. Wie war das Wäldchen dahin gekommen? Vor Jahren hatte ein Gelehrter sein Zelt und später seine Hütte dort aufgeschlagen, um von da aus Land und Leute zu erforschen. Rings um seine Hütte hatte er Eukalyptus- und Zitronensamen gesteckt. Längst war er nicht mehr da, aber der Same war aufgegangen und nun stand das Wäldchen da mit seinem Schatten und Früchten.

Schwerlich konnte der Mann, als er den Samen legte, an sich selbst gedacht haben. Aber die nach ihm kämen, sollten Schatten und Früchte finden und sie fanden sie und so oft sie vorüberzogen, gedachten sie dankbar des Mannes, der den Hain pflanzte. Totenhain oder Zitronenwäldchen, was wirst du hinterlassen?


Quelle: Evangeliumsposaune, 1964
Aktuelle Seite: www.evangeliumsposaune.org

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