Gerettet sein gibt Rettersinn (Gedicht)

Gerettet sein gibt Rettersinn

Gerettet, Herr, durch dein Erbarmen,
befreit vom Tod durch deinen Tod,
beschützt in deinen mächt´gen Armen,
geheilt von bittrer Sündennot,
mein Gott, wie kann genug ich danken
für deine Gnade ohne Schranken,
die mir zuteil geworden ist?
Du hast mich durch die wilden Wogen,
am Liebesseil zu dir gezogen,
Dank dir, o Retter, Jesus Christ!

Doch ach, so viele meiner Brüder,
sie irren noch in finstrer Nacht,
o blick erbarmend auf sie nieder,
wie du auch mich herzugebracht.
Nur du, o Herr, nur du kannst retten,
von Todesbann und Sündenketten,
nur du kannst es, dass verbürgt dein Name,
der ewigwahre, wundersame,
o Jesu, Retter, Heiland du!

Doch weil zu deinem Rettungswerke
auf unsrer Erde nah und fern,
du König, voller Macht und Stärke,
erlöste Menschen brauchest gern:
Wohlan, so lass uns viele sehen,
als rechte Menschenfischer gehen
in deinem großen Namen aus,
um freudig durch die Flut zu dringen,
und die Verlorenen zu bringen
hinein ins off´ne Vaterhaus.

O durft´ auch ich in deinen Händen
du starker Herr, ein Werkzeug sein,
um manchen Sinkenden, Elenden
zu führen in den Hafen ein!
Erfülle mich mit deiner Liebe
mit deines Geistes Kraft und Triebe,
mit demutsvollem Rettersinn!
Was kann´s in diesem kurzen Leben,
für tief´re, schön´re Freuden geben,
als Seelen zieh´n zum Retter hin.

— Dora Rappard (1842 – 1923)

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