Was sich der Diener von Herodes gedacht hat.

Was der Diener von Herodes Gedacht hat, auf Werden wie Jesus

Das war gestern spät geworden. Wenn da nicht dieser Pharisäer wäre, der sich so sehr gerne selbst reden hört, wir wären bestimmt lange vor Mitternacht fertig gewesen. Wie hieß er nochmal? Simon? Ach egal. Und dann wollte er noch selbst mit diesem Jesus reden. Mal gut, dass die anderen für mich gestimmt haben. Der würde doch selbst über den Strick stolpern, den er auslegen sollte. Was für eine Selbstüberschätzung. Die wird ihm nochmal zum Verhängnis.

Und jetzt sind wir unterwegs zum Tempel. Seltsam, dass keiner von den Pharisäern selbst mitgekommen ist. Nur die junge Mannschaft. Und diese zwei gefährlich aussehende Typen. Haben sie gestern „Zeloten“ gesagt? So eine komische Untergrundorganisation, die einen Aufstand gegen die Römer planen. Die sehen echt so aus, als hätten sie schon Menschen umgebracht. Und haben bisher nicht ein einziges Wort gesagt. Ob das wahr ist, dass man ihnen die Zunge abschneidet, damit sie keinen Verraten? Zunge. Ich habe meine noch. Mal schauen was sie mir heute einbringt. Wenn ich heute diesen Jesus von Nazareth in die Ecke gestellt habe, dann müsste eigentlich bei Herodes eine saftige Belohnunng für mich rausspringen. Und die Pharisäer kann ich ja auch noch mal fragen.

So, wir sind am Tempel. Wo ist der „große Meister“? Sie sagten er kommt jeden Tag her und verbreitet seine Lehren. Soll wohl ein mächtiger Redner sein. Na mal schauen.
„Da!“ Oh, das war der größere der beiden Halsabschneider. Die haben also doch eine Zunge. Du kannst den Leuten heutzutage nichts mehr glauben! Wo hat der Lange hingezeigt? Ah, das könnte er sein. Tatsache, die Beschreibung der Pharisäer passt. Na dann, wollen wir da mal ran. Durch die Menge durchdrängen und einen halben Schritt näher zu ihm stehen als alle anderen. Und dann den richtigen Moment abwarten.

Da befahl der König seinen Dienern: ›Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus, dorthin, wo es nichts gibt als lautes Jammern und angstvolles Zittern und Beben‹ Denn viele sind gerufen, aber nur wenige sind auserwählt. Die Worte verhallen, schau wie sie alle betroffen schweigen. Der macht wirklich einen Eindruck mit seiner Rede. „Wenige sind auserwählt“ warte mal. Ich bin auserwählt. Auserwählt ihn zu schlagen. Das ist meine Gelegenheit.

„Meister, wir wissen, dass es dir nur um die Wahrheit geht. Wenn du lehrst, wie man nach Gottes Willen leben soll, lässt du dich allein von der Wahrheit leiten und fragst nicht, was die Leute dazu sagen; denn du lässt dich von keinem Menschen beeinflussen, wie angesehen er auch sein mag.“ Erstmal Honig ums Maul schmieren. Zu dick kann man gar nicht auftragen. Der soll sich mal schön sicher fühlen.

Und jetzt kommt der Dolchstoß: „So sag uns nun: Ist es nach deiner Meinung richtig, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht?“ So jetzt ist es raus. Das ist die Frage, die gestern Nacht geboren wurde und die seinen Untergang einleiten wird. Ja oder nein. Egal was er sagt, er hat verloren. Nein kann er nicht sagen, dann werden ihn die Römer jagen. Die Römer haben noch keinen am Leben gelassen, der sich öffentlich gegen die Steuer ausgesprochen hat. Und wenn er „ja“ sagt, dann hat er ein Problem mit den Zeloten. Diese beiden finsteren „Freunde“ sehen so aus, als würden sie nicht davor zurückschrecken ihm mitten in der Menge eine Klinge zwischen die Rippen zu schieben.

„Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr die Steuer bezahlt!“ Was? Was? Verdammt! Der hat mich voll durchschaut. Der hat ja sofort gekontert. Und jetzt will er was? Einen römischen Denar haben? Verdammt! Warum schaut er mich an? Mann, hat hier keiner einen Denar in der Tasche? Die schauen ja alle mich an. Als ob sie alle wissen, das ich zwei Denar im Beutel habe. Das hätte doch alles ganz anders kommen müssen. Ich wollte ihn doch ruhig anschauen, während er ins Schwitzen kommt. Und jetzt stehen auf meiner Stirn die Schweißperlen, während er mich ganz ruhig anschaut.

Jetzt streckt er mir auch noch die Hand entgegen. Ich gebe ihm die Münzen nicht. Wie sieht das denn aus? Erst tue ich so als ob ich gegen die Steuer wäre und dann zeige ich allen, dass ich die verhasste Römermünzen bei mir trage. Mann ist das peinlich. Wo sind denn die beiden Halsabschneider? Diese Terroristen sind doch so durchgeknallt, dass sie wegen dieses Stücks Silber auch mir ans Leder gehen würden. Warte mal. Hat mich der Kleinere von den beiden gerade angegrinst. Mann! Was mache ich jetzt? Der schaut mich immer noch so an. Ich glaube ich komme aus der Nummer jetzt nicht raus. Was soll ich jetzt machen? Na gut, ich gib ihm die verdammte Münze.

„Wessen Bild und Name ist darauf?“ Wessen Bild, wessen Bild. Was hat das mit der Steuer zu tun? Worauf will er hinaus? „Das Bild und der Name des Kaisers.“ — „Dann gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und gebt Gott, was Gott gehört!

Das wars. Ich bin fertig. Nichts wie weg hier! Das ging ja voll daneben. Diese Pharisäer, die haben mich voll vor das Loch geschoben. Gestern taten sie noch, als ob die Sache ganz sicher wäre. Ich hätte mir das schon denken können, als heute keiner von ihnen mitgekommen ist. Stop. Wo sind denn die beiden Finsterlinge? Nicht dass sie das jetzt auf mich abgesehen hätten. Nicht zu sehen. Puh, da habe ich nochmal Glück gehabt. So und jetzt raus aus dem Tempel. Irgendwie ist dieser Jesus mehr als ein gewöhnlicher Mensch. Wie er mich einfach ausgehebelt hat.

Was hat er nochmal gesagt? „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und gebt Gott was Gott gehört.“ Was meint er damit? Was gehört denn Gott? Warum wollte er denn wissen, was auf der Münze steht? Das Bild des Kaisers. Warte mal. Haben die beiden Sachen etwas miteinander zu tun? Das Bild des Kaisers dem Kaiser, dann müsste es das Bild Gottes sein, das Gott gehört. Das Bild Gottes. Das habe ich doch als Kind auswendig gelernt. Wie ging das nochmal? „Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn.“ Genau! Der Mensch trägt das Bild Gottes, so wie der Denar das Bild des Kaisers.

Das bedeutet aber… Nein, das kann er nicht gemeint haben. Oder etwa doch? Wir sollen uns selbst Gott geben? Aber wie soll das gehen? Ich muss mehr von diesem Jesus hören!

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