Was macht ein Pharisäer mit einem unfruchtbaren Apfelbaum?

Bild für Pharisäer und Apfelbaum auf werden wie jesus

Ich habe vor einigen Wochen über die Motive geschrieben. Das war der Artikel mit der zentralen Frage „Warum tust du was du tust?“

Womit läuft der Motor deiner Seele?

In den Beispielen und Fragen hatte ich weltliche Motive herangezogen. Hier möchte ich das gleiche Thema aus einer anderen Richtung betrachten. Hier kannst du dich prüfen, ob deine Motive pharisäischer Natur sind.

Aber zunächst einmal eine Geschichte, wie sie sich sehr gut bei uns zugetragen haben könnte.

Der unfruchtbare Apfelbaum

Es ist Samstag morgen. Ich sitze mit einer dampfenden Tasse Kaffee am Rechner, als Ida mit einem kleinen verschrumpelten Apfel ins Zimmer kommt. Sie legt ihn neben die Tastatur und schaut mich an. „Schatz, du musst was mit dem Apfelbaum machen.“

Wir haben nämlich bei uns im Garten einen Apfelbaum. Er ist wahrscheinlich schon 10 Jahre alt. Aber alles was er bisher getragen hat, waren kleine verschrumpelte Äpfel. Und wenn ich einen dieser Äpfel durchgeschnitten habe, war er in der Mitte faul. Und Ida sagt mir schon seit Jahren: „Du musst was mit dem Apfelbaum machen.“ Und dieses Jahr habe ich was gemacht. Ich habe mich des Apfelbaumes angenommen, ich habe ihn gedüngt und begraben. Ich habe ihn beschnitten und gegen Pilze und Ungeziefer gespritzt. Ich habe alles gemacht, was mir die Leute, die sich damit auskennen geraten haben. Und dann habe ich gewartet. Der Herbst ist gekommen. Und alles was dieser Apfelbaum brachte, waren kleine verschrumpelte Äpfel, die in der Mitte faul waren.

Jetzt liegt einer dieser Äpfel vor mir. Ich schaue auf seine Falten, während Ida langsam die Tür schließt. Ich weiß nicht ob es Enttäuschung ist. An sich habe ich schon letzte Woche gesehen, dass es dieses Jahr wieder nichts mit den Äpfeln wird. Vielleicht bin ich genervt, weil dieser komische Apfel hier liegt und mir eine Entscheidung abverlangt. „Schatz, du musst was mit dem Apfelbaum machen.“ Was soll ich denn mit ihm machen? Ich habe doch alles gemacht, was ich damit machen konnte… Und dann weiß ich es. Ich werde was mit dem Apfelbaum machen. Ich werde es jetzt machen. Jetzt. Ich stehe auf. Ich lasse den Apfel liegen und den Kaffee stehen und gehe raus.

Es ist einer dieser herrlichen Spätsommertage. Ich bleibe kurz in der Tür stehen und genieße das Lichtspiel, die Gerüche und Geräusche. Ach, ich bin schon froh für dieses Haus im Grünen. Dann gehe ich in den Schuppen.

Nein, ich habe keine Axt in der Hand als ich aus dem Schuppen gehe. Ich habe eine Leiter und einen alten Eimer. Ich stelle die Leiter an den Baum und sammle alle diese kleinen verschrumpelten Äpfel ab. Ich lasse keinen einzigen im Baum hängen, auch alles was auf dem Boden ist sammle ich auf. Der Eimer ist fast voll, als ich ihn auf dem Kompost auskippe.

Eine Viertelstunde später stehe ich bei unserem Obsthändler vor den Kisten mit den Äpfeln. „Golden Delicious“ Das klingt doch gut. Sie sehen auch gut aus. Kräftiges gelb, das leicht ins orange geht. Die Backen laden zum reinbeißen ein. „Ich nehme zwei Kisten“. Der Händler nickt freundlich. Scheine und Münzen wechseln den Besitzer und ich stelle zwei Kisten mit den besten Äpfeln in den Kofferraum.

Zuhause angekommen hole ich einen weichen Lappen und eine Angelschnur aus der Garage. Ich poliere jeden Apfel auf hochglanz und hänge ihn in den Baum. Als die Kisten leer sind räume ich alles auf und gehe ins Haus. Ida ist oben im Kinderzimmer und räumt mit den Mädels den Kleiderschrank um. Mit einer Siegerpose betrete ich den Raum.
„Fertig“
„Was fertig?“
„Der Apfelbaum ist fertig.“
„Wie fertig?“
„Na komm, guck.“
Ich fasse sie bei der Hand und führe sie ins Badezimmer. Von hier aus hat man einen prominenten Blick in unseren Garten. Ida geht ans Fenster. Die gelben Äpfel leuchten bis nach oben. Sie schaut mich an. Sie scheint das nicht zu verstehen. Dann öffnet sie das Fenster und schiebt das Mückenrollo nach oben. Sie lehnt sich leicht aus dem Fenster und kneift die Augen zusammen. Als sie sich umdreht, wirft sie mir einen dieser Blicke zu, die nichts Gutes verheißen. Dann geht sie Schnurstracks nach draußen. Die Kinder und ich trotten hinterher.

Als sie unter dem Baum steht, sieht sie die Angelschnur. Sie stemmt die Hände in die Hüften. „Du bist doch ein Spinner! Deshalb darf man dich nie lange allein lassen.“ Ich grinse sie mit dem breitesten Grinsen das ich habe an. Das höre ich gerne.

Die Frucht deines Lebens

Was ist hier passiert? Ich habe für eine kurze Zeit den Apfelbaum gut aussehen lassen. Fruchtbar aussehen lassen. Obwohl er von Natur aus nicht so war.

Da gibt es Prediger und Älteste, die ihre Gemeinde gut aussehen lassen wollen. Da gibt es Jugendleiter, die ihre Jugend gut aussehen lassen wollen. Da gibt es Eltern, die ihre Kinder gut aussehen lassen wollen. Sie sehen, dass sie von sich aus keine gute Früchte bringen, also gehen sie in die Garage und holen die Angelschnur.

[pullquote align=“left“]Ein wahrer Christ geht nicht ins Kino[/pullquote]“Ein echtes Kind Gottes kommt jeden Mittwoch zur Gebetsstunde.“ „Ein wahrer Christ geht nicht ins Kino.“ Ich glaube du kannst hier hundert andere Sachen, die ein Christ tun oder nicht tun soll einsetzen. Sachen die Du von Autoritätspersonen in der Gemeinde tausendmal gehört hast. Und die meisten dieser Sachen sind gut und richtig. Das Problem dabei ist, dass dieses Verhalten und Aussehen nicht von innen kommt, sondern von außen „drangehängt“ wird. Und die Menschen leben in der Gefahr, dass Christus einmal an ihnen keine Frucht finden wird. Menschen leben in der Gefahr einmal festzustellen, dass sie sehr treu in all diesen Geboten, die einen guten Christen ausmachen, gewesen sind, aber dass sie das größte Gebot sträflich vernachlässigt haben. Menschen leben in der Gefahr, sich für wahre Kinder Gottes zu halten, weil sie all das tun was die wahren Kinder Gottes tun, aber längst keine Kinder Gottes mehr sind, weil sie Sünde in ihrem Leben dulden.

[pullquote align=“right“]Ein echtes Kind Gottes kommt jeden Mittwoch zur Gebetsstunde[/pullquote]Und ich stelle wieder die Frage: Warum tust du was du tust? Weil andere das von dir erwarten? Weil du Angst hast, das Ansehen unter den Geschwistern zu verlieren? Weil du glaubst, dass das was du tust dich angenehm vor Gott macht und dich in den Himmel bringt? Was ist das tief liegende Motiv? Ist es Menschenfurcht? Ehrgeiz auf geistlichem Gebiet? Werkgerechtigkeit?

Sieh, wenn es nicht Christus ist, wenn nicht Er alles ist was du brauchst, wenn nicht Er alles ist was du hast, wenn du alles was du tust nicht für Ihn und Seine Ehre tust, bist du nichts anderes als ein Pharisäer. Wenn es nicht Seine Kraft in dir ist, die diese Früchte hervorbringt, wenn es nicht die brennende Liebe zu Ihm ist, die dich all das Gute tun lässt, das du tust, dann siehst du von außen schön aus, innen drin bist du aber voller Raub und Unmäßigkeit. Du hast den Schein eines gottseligen Wesens aber seine Kraft verleugnest du.

Vielleicht sind es harte Worte. Ich sehe aber diese reale Gefahr. Und ich wünsche, dass wir Christus sehen, Ihn allein. Dass er uns größer wird als alles andere. Das allein wird uns von der Verweltlichung und von der Verpharisäerung bewahren.

Wie ist es bei dir? Siehst du auch diese Gefahr? Oder sind diese Gedanken komplett neu für dich? Oder liege ich mit dieser Sicht daneben? Schreib doch was in die Kommentare!

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