Jetzt will ich auch mal was zur Kleidung sagen

Er sagt: „Ich habe letztens ein Bild von drei Mädels aus unserer Gemeinde gesehen. Du kannst auf dem Bild nicht erkennen, ob das Christen oder Weltmenschen sind. Kleidung, Aufmachung, Gestik, es gibt da keinen Unterschied zur Welt. Im Gegensatz, als wir ein paar Tage später in Dänemark unterwegs waren, sah ich eine Familie am Straßenrand und ich wusste sofort, das sind Christen. Ich konnte aus 250 Meter Entfernung sagen, dass es gläubige Menschen waren, weil ich sah, wie sie angezogen waren. Wo sind wir mit der Jugend hingekommen? Es heißt doch ganz klar: Stellet euch nicht dieser Welt gleich! Was machen wir mit dieser Bibelstelle heute?“

Ich sitze da und denke. Wie war das eigentlich bei Paulus? Damals, als er in Athen auf die Brüder wartete. Konnte man damals aus 250 Meter Entfernung sehen, dass er ein Christ war? Legte er einen großen Wert darauf, sich in der Kleidung von den Menschen jener Zeit zu unterscheiden? Ich glaube nicht, sonst würden wir irgendwo in der Apostelgeschichte oder den Briefen davon lesen.

Aber warte, es gab doch damals eine Gruppe deren Mitglieder man aus 250 Meter Entfernung sofort erkannt hätte. Das waren Männer mit Quasten an ihrer Kleidung, Männer mit Gebetsriemen an den Armen und Händen. Das waren die Pharisäer.

Wann ist das eigentlich umgekippt? Ab wann waren die Christen vom Weiten zu erkennen und die Pharisäer nicht? Oder ist das nicht umgekippt? Ich meine, kann das sein, dass es sich bis heute nicht geändert hat? Kann das sein, dass es immer noch nicht die Christen, sondern die Pharisäer sind, die man aus 250 Metern Entfernung erkennen kann?

Was machen wir aber mit Römer 12,2?

Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Leute diese Stelle frei nach Luther so lesen:

„Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eurer Garderobe.“

Mir persönlich fällt es sehr schwer diese Stelle auf die Kleidung zu beziehen. Vor allen Dingen, wenn ich sie in der Schlachter- oder irgend einer anderen Übersetzung lese. Hier geht es doch darum, dass das Wesen verwandelt wird. Das geschieht dadurch, das unser Denken, unser Sinn verändert wird. Das geschieht wiederum durch das Beschäftigen mit dem Wort Gottes, wo wir den offenbarten Willen Gottes finden. Hier geht es um einen Unterschied im Wesen, im Denken, nicht vorranging in der Kleidung.

Ich bin überzeugt, dass der Veränderungsprozess, der durch die Beschäftigung mit dem Wort Gottes angestoßen wird, irgendwann auch unsere Kleidung erreicht. Aber dieser Prozess funktioniert nicht Bottom-Up. Er fängt nicht bei dem Rock an und kommt irgendwann mal im Kopf an. Es ist ein Top-Down-Prozess. Er fängt im Kopf an, in unseren Gedanken und geht dann über zum Herz. Und kommt dann auch bei dem Rock, der Hose und den Schuhen an.

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Kommentaren (4)

  1. Es geht hier wirklich nicht um das Äussere – vom griechischen her wird deutlich, dass es um die Einstellung geht – darum, dass man nicht das Denken des Zeitgeistes übernehmen soll…

  2. Ich muss hier noch einen Nachtrag machen. Ich hatte gestern mit einem lieben Menschen gesprochen und wir haben den Grund dafür gefunden, warum dieser Artikel die Leserschaft spaltet.

    Was ich nicht berücksichtigt habe ist folgendes. In den Köpfen vieler Geschwister ist „Weltliche Kleidung“ gleich „Unkeusche Kleidung“. Wenn ich den Artikel mit dieser Annahme lese, dann komme ich zu dem Schluss, dass Robert nicht ganz bei Trost ist. Er verherrlicht die Unkeuschheit und stempelt alle, die sich keusch kleiden als Pharisäer ab.

    Mit „weltlicher Kleidung“ meine ich zum Beispiel eine 7/8 Caprihose, ein bunt bedrucktes T-Shirt, einen reich mit Pajetten bestickten Sweater, Eine ausgefranzte Jeansjacke. Nicht alle Menschen von Welt kleiden sich unkeusch. Deshalb glaube ich, dass wir keinen Unterschied zwischen einem Christen und einem anständig gekleideten Nichtchristen sehen werden. Und in den Kreisen, in denen ich mich bewege, sind die meisten Nichtchristen anständig gekleidet.

    Wenn ich aber fordere, dass ein Christ an der Kleidung erkannt werden muss, wenn ich anhand der Kleidung die Beziehung zu Christus berwerten will, dann stelle ich mich auf die gleiche Stufe, wie die Pharisäer und Salafisten.

  3. Ich stimme deinem Kommentar zu dem Thema voll und ganz zu.

    Die Gefahr des Pharisäertums ist wirklich groß, wenn nicht mehr die geistlichen Werte (die sich auch äußerlich ausdrücken), sondern eine bestimmte Mode oder bestimmtes äußeres Aussehen entscheidend wird.

    Den äußerlichen Anforderungen passen sich die Menschen relativ schnell an. Doch die entscheidende innere Überzeugung fehlt häufig und so kommt sie im Urlaub oder in der Freizeit irgendwo zum Ausdruck…

    Manche Christen in Deutschland gleichen den Amish People 🙂

  4. Hans

    Es geht hier natürlich nicht um das äußere sondern um den inneren Menschen.
    Aber eins ist sicher, wird sich der innere Mensch des Herzens verwandeln von Tag zu Tag, so wird man das auch an dem äußeren Menschen erkennen.
    Was in den Menschen hinein geht verunreinigt diesen nicht, sondern was aus diesem heraus kommt!

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