Der Soldat, der nicht aufgab

Ich war 18 oder 19 und stand seit längerer Zeit in schweren, inneren Kämpfen. Ich hörte immer wieder eine Stimme, die mir einflüsterte: „Gib auf! Es hat sowieso keinen Zweck. Wie lange willst du noch widerstehen? Lass dich einfach treiben und genieße das Leben.“ Und dann, an einem Nachmittag schwang ich mich auf mein Fahrrad und fuhr raus, auf in die Wälder und Felder. Es war ein schöner sonniger Tag und ich genoss die Landschaft. Während ich da radelte und die Grashalme im Wind beobachtete, entstand ein Bild vor meinem innerem Auge.

Ich sah einen jungen „Streiter Christi“. Aber nicht so, wie man sich ihn gemeinhin vorstellt: Als einen römischen Legionär mit Brustpanzer und Kurzschwert. Ich sah einen modernen Infanterie-Soldaten mit grüner Tarnfleck-Uniform und Sturmgewehr. Der Soldat war in einer denkbar schlechten Verfassung. Als vielleicht einziger Überlebender einer großen Schlacht, versuchte er sich durch das feindliche Gebiet zu den eigenen Einheiten durchzuschlagen. Dreck klebte an den Stiefeln und an der Hose. Die Uniform an einigen Stellen zerrissen. Getrocknetes Blut auf der Schulter. Der Helm saß schief und die Schnallen zur Befestigung des Helms hingen lose herunter.

Abgekämpft und müde wankte er aus dem Wald auf eine Lichtung. Sie war mit kniehohem Gras bewachsen. Mit unsicheren Schritten ging er auf die Mitte der Lichtung zu und blieb dort leicht schwankend stehen. Er legte langsam den Kopf in den Nacken, bis er senkrecht nach oben schaute. Dabei löste sich der Helm und viel hinter ihm zu Boden. Als er so mit bloßem Haupt da stand und ich sein Gesicht sehen konnte, erkannte ich plötzlich, dass dieser Soldat ich selbst war.

Das Gesicht ließ mich erschaudern. Ringe unter den Augen, dreckverschmiert und unrasiert. Es verriet große Müdigkeit und Hunger. Und dann waren da diese trüben Augen. Augen, in denen die Hoffnungslosigkeit seiner Lage geschrieben war. Er beachtete es nicht, dass sein Helm runtergefallen war. Er schaute langsam wieder an sich herab, fasste sein Sturmgewehr am Lauf, schwang es wie eine Keule und warf es weit von sich ins hohe Gras. Dann setzte er sich auf den Boden, umklammerte die gekreuzten Beine mit den Armen und ließ den Kopf zwischen den Knien hängen.

So saß er da, das Häufchen Elend. Und ich sah hoch über ihm die Aas-Geier ihre Kreise drehen. Ich erwartete jede Sekunde einen Schuss aus dem Wald, der ihn niederstrecken würde. Er war doch im Feindesland! Aber kein Schuss zerriss die Stille. Er saß so einige Minuten da. Dann richtete er den Blick wieder nach oben und schaute eine Zeit lang in den blauen Himmel. Und dann sah ich, wie seine Augen klar wurden. Ein Lächeln erhellte das bisher so ernste Gesicht.

Er griff hinter sich und fasste den Helm, setzte ihn auf und schnallte ihn um. Er stand auf, ging zu der Stelle, an der sein Gewehr im Gras lag und hob es auf. Und dann lief er weiter in den Wald. Es war, als hätte er neue Kraft bekommen. Ich sah ihm nach und wusste, dass er das schaffen wird. Er wird durchkommen und bald wieder bei seinen Einheiten sein.

Die Aas-Geier hatten heute Pech gehabt.

Ich habe die Botschaft verstanden. Ich schaute zu dem, der alle Gewalt hat. Mut und Siegesgewissheit erfüllten mich wieder. Ich ging weiter, widerstand dem Versucher. Und ich hatte Sieg.

Lieber junger Mensch, der du in den Reihen der Streiter Christi stehst. Wenn auch du durch schwere Kämpfe gehst, wenn der Satan dich zum Aufgeben zwingen will – gib nicht auf! Schau nach oben! Dann wirst du die Erfüllung des Wortes aus Jesaja erleben. So wie ich es damals, erlebt habe.

Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

— JESAJA 40,31

Schlagworte: , , ,

Kommentaren (3)

    • Ich wünsche dass er dir und vielen anderen zum Segen wird. Ich bin Gott dankbar, dass ich solche Erfahrungem mit ihm machen darf.

  1. Björn

    Robert, ein schöner Artikel… Als ich darüber nachdachte, kam mir deine Predigt von dem Jugendsemiar aus Holland in den Sinn … „This is war“…Danke dafür!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.