Disziplin ist das, was der Mensch heute am meisten nötig hat und was er am wenigsten mag.

Richard S. Taylor

Diszipliniert leben (Teil 2)

Viele junge Menschen, die ich kenne ringen mit diesem Thema. Sie erkennen, dass sie dort Defizite haben. Sie stehen nicht auf, wenn der Wecker klingelt. Sie fangen nicht an für die Klausuren zu lernen, wenn sie wissen, dass sie anfangen sollten. Aber was ist eigentlich Disziplin genau?

1 Definition

Der Begriff Disziplin umfasst eine Vielzahl von Bedeutungen. Ein Kind versteht darunter, gezwungen zu sein, eine unfreundliche Aufgabe zu erledigen, und bestraft zu werden, wenn es rebelliert. Disziplin bedeutet für das Kind Zwang, Schmerz, Autorität. Für den Soldaten bedeutet Disziplin das einhalten von Regeln, sofortiger Befehlsgehorsam, Küchendienst, Wecksignal in frostigen Morgenstunden. Für den Studenten sind es die Studienfächer, die er belegt hat – einschließlich der spezifischen Bestimmungen, Regeln und Prüfungen, die damit einhergehen.

— RICHARD SHELLEY TAYLOR

2 Auferlegte Disziplin und Selbstdisziplin

Die Disziplin hat für mich zwei Seiten , die hier schön dargelegt werden. Die von Außen auferlegte Disziplin durch Menschen. Durch die Autorität, die über uns steht. Und die Disziplin, die wir uns selbst auflegen. Wo wir uns selbst zu etwas verpflichten und es dannn einhalten.

Auferlegte Disziplin (…) muss zur Selbstdisziplin hinführen. Es ist sogar für einen Christen möglich, ein aufrichtiger und wiedergebotener Nachfolger Jesu zu sein und doch in vielen Facetten seines Charakters und in vielen Bereichen seines Lebens undiszipliniert zu bleiben. Es mag sein, dass jemand sein Kreuz trägt, (…) und doch nur an der Schwelle jener größeren Disziplin der vollen Reife steht.
Allgemein ausgedrückt ist Selbstdisziplin die Fähigkeit, Verhalten eher anhand von Prinzip und Urteilsvermögen zu steuern als durch Impuls, Verlangen, starken Druck oder soziale Gewohnheiten. Im Grunde genommen ist es die Fähigkeit, sich unterzuordnen.

— RICHARD SHELLEY TAYLOR

Auferlegte Disziplin, ist so ähnlich wie Gehorsam in unserer Gesellschaft ein verpöntes Thema. In der Schule und auf der Arbeit wird kein großer Wert auf Disziplin gelegt. Viele merken mittlerweile nicht mal, dass sie gegen fast jede Form von Disziplin rebellieren. Wenn jedoch die auferlegte Disziplin zur Selbstdisziplin führt, ist es dann verwunderlich, dass wir über Defizite bei der Selbstdisziplin klagen?

3 Die Gefahren von Disziplin

Wenn man ernsthaft glaubt, dass Disziplin den höchsten Stellenwert im Leben einnimmt, ist das die größte Gefahr von allen. Sie hat nicht den höchsten Stellenwert. Die richtige Beziehung zu Gott ist der kostbarste Schatz, den es gibt. Göttliche Gnade, Vergebung, göttliche Gegenwart, Liebe, Glauben – diese alle sind elementarer und notwendiger. Disziplin darf nie den Ehrenplatz bekommen. Disziplin muss als Diener gesehen werden, nicht als Retter. Disziplin ist nichts anderes als ein praktisches Mittel, um zu lernen, wie man im eigenen Leben die höchsten Werte des Reiches Christ verwirklichen kann.

— RICHARD SHELLEY TAYLOR

Es gibt auch andere Gefahren. Zum Beispiel die Gefahr, dass man sklavisch an den selbst auferlegten Prinzipien festhält. Und damit sich selbst und den Anderen eher schadet als hilft.

Ich selbst habe auch meine Schwierigkeiten mit diesem Thema. Ich sehe die Defizite bei mir, und kann sie wahrscheinlich deshalb auch bei den Anderen so gut sehen. Geht es dir ähnlich? Dann kommt hier ein kleiner Tipp: Akzeptiere die auferlegte Disziplin, in den wenigen Fällen, in der sie noch vorkommt. Beuge dich, auch wenn du keinen Sinn in der Sache siehst. Murre nicht. Bitte Gott, dir die rebellischen Gedanken zu nehmen. Und tue was man von dir fordert.

Was sind deine Erfahrungen mit Disziplin? Schreib doch mal was in die Kommentare!

Diszipliniert leben (Serie)

Teil 1: Die Philosophie der Nachfolge
Teil 2: Definition der Disziplin (dieser Artikel)
Teil 3: 4 Wege zu mehr Disziplin


Quelle: R. S. Taylor, Diszipliniert leben, aber wie?, impact Verlag, 2012

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Kommentar (1)

  1. Sabine

    Das Thema Disziplin hat mich in letzter Zeit auch beschäftigt. Ich wusste, dass ich einige „Schwachstellen“ habe, aber erst vor kurzem ist mir aufgefallen, dass es mir dabei an Disziplin fehlt. Im Zusammenhang damit bin ich an den Vers aus Galater 5,22 erinnert worden, wo es um die Früchte des Geistes geht. Manche Übersetzungen sprechen bei der letzten Frucht von Keuschheit, neuere von Selbstbeherrschung was wiederum den Begriff Disziplin mit einschließt. Ich musste feststellen, dass es mir in mancher Hinsicht an Disziplin, wie Jesus es von uns wünscht, mangelt. Ich will aber auf Gottes hilfe vertrauen, dass er mir auch darin helfen wird, mehr Frucht in der Selbstbeherrschung zu tragen.

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