Lied Nr. 596 und das Leben

Wir haben an einem Sonntag dieses Lied im Gottesdienst gesungen. Plötzlich wurde mir bewusst was ich da sang. Und dann sang ich es anders, nicht mehr aus voller Kehle, sondern mit Bedacht, mit Selbstprüfung. Kann ich diese Zeilen mit reinem Gewissen singen? Ist alles was ich bin und habe Ihm geweiht?

Alles will ich Jesu weihen,
Nichts mehr will ich nennen mein;
Leib uns Seele, Gut und Habe:
Alles soll sein eigen sein.

Chor:
Alles will ich weihn, alles will ich weihn,
Dir, mein Herr, mein Gott, mein Heiland,
will ich alles weihn.

Alles will ich Jesu weihen,
All mein Herz zu ihm sich neigt,
All mein eigner, stolzer Wille
Sich dem Herrn gehorsam beugt.

Alles will ich Jesu weihen,
Halte alle Welt für Spreu.
Doch was ich dem Heiland schenke,
Gibt er mir verklärt und neu

Alles will ich Jesu weihen:
Meines Geistes beste Kraft,
All mein Denken, all mein Streben,
Alles, was mein Tagwerk schafft.

Alles will ich Jesu weihen!
Nimm mein Opfer gnädig auf,
Sprich zu meinem Wort dein Amen,
Drück dein heilig Siegel drauf!

— J.W. VAN DE VENTER

Geweiht wurden Dinge und Menschen im Alten Testament, damit sie ausschließlich für den gottesdienstlichen Gebrauch zur Verfügung stehen. Wenn ich etwas Jesus weihe, dann soll das den Zweck haben, dass diese Sache ausschließlich zu seiner Ehre verwendet wird. Dass es nur noch dafür da ist, damit der große Name Jesus noch größer, noch herrlicher wird.

In diesem Lied singen wir, dass wir alles Ihm weihen wollen. Alles – das ist viel. Und wenn ich in mein Leben schaue, dann stelle ich fest, dass ich noch nicht alles Jesus geweiht habe. Also mit dem Mund schon, aber faktisch nicht. Es gibt da Dinge, die tue ich nur für mich, nicht für Ihn. Zum Beispiel manche Stunde, die ich auf YouTube verbringe, die gar keinen Beitrag zur Ehre Gottes hat.

Aber ich will. Ich will alles weihen, meines Geistes beste Kraft, die besten Stunden des Tages. Diese Weihe ist ein Kampf. Manchmal ist es ein einzelner Sieg, ich gebe etwas ab und dann ist es Sein. Ich lösche alle Spiele von meinem Handy. Ich weihe es Ihm. Es soll ab jetzt nur noch zu seiner Ehre eingesetzt werden. Und bei manchen Dingen muss ich täglich kämpfen. Täglich im Gebet diese Dinge Jesus weihen, und täglich im Bewusstsein leben, dass sie Ihm geweiht sind.

Wie sind deine Erfahrungen mit der Weihe? Schreib doch mal was in die Kommentare!

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Kommentaren (3)

  1. missi

    Eigentlich wollt ich mal ganz gespannt warten, was andre so in dem Punkt erlebt haben. Aber ich mach trotzdem den Anfang, in der Hoffnung, dass sich weitere anschließen 😉

    Hab nämlich vor knapp zwei Jahren da ne ganz konkrete Sache gehabt. Das war meine Stimme. Die mich kennen wissen, dass ich für mein Leben gern singe. Ich war mir eigentlich gar nicht so bewusst, wie wichtig es mir war, ständig singen zu können. Bis ich nicht mehr konnte. Weil ich ganz einfach keine Stimme mehr hatte. Monatelang. Als der HNO dann meinte, dass wenn die Kehlkopfentzündung nicht langsam mal besser würde, sich das dauerhaft auf meine Stimme auswirken könnte – hat mir das schon zu schaffen gemacht. Während der Zeit war ich ganz schön fertig. Ganz einfach auch, weil Singen sonst wie Atmen für mich dazu gehört hat – wenn’s mir gut ging, wenn’s mir schlecht ging, in der der Gemeinde, in der Uni, in Chören und einfach zu Hause oder allein auf einem Feld, im Wald, um Gott anzubeten. Teilweise konnte ich nicht mal richtig sprechen und das hat sich alles ganz schön aufs Gemüt geschlagen (bekanntlich werden beim Singen ja Glückshormone ausgeschüttet ;)). Achja, und ich stand kurz vor den Instrumental- und Gesangsprüfungen in der Uni.

    Auf jeden Fall war es, als würde Jesus mich fragen >>Bin ich selbst deine Freude? Oder hast du andere Freudenquellen? Wirst du genauso freudig mit mir leben, wenn ich dir diese menschliche Quelle von Freude wegnehme?<<

    Naja, dass ich das ohne seine Hilfe nicht kann war mir schon klar. Das hab ich ja die ganze Zeit gemerkt. Aber ich hab ihm gesagt, dass er sie haben kann, wenn er will. Und wenn's weh tut. Nur bei dem Rest müsste er mir echt helfen.

    Hab mir mal folgendes Zitat aufgeschrieben und es zu meinem Gebet gemacht:
    "Ich bitte nicht um eine gefühlvolle, zärtliche Liebe, sondern um eine, die deinen Willen liebt." – Fenelon

    Ich habe dann irgendwann nach und nach meine Stimme wieder bekommen. Aber Gott hat mir in diesem Punkt mein Herz gezeigt. Und einiges andere. Zu oft halten wir Dinge für "abgegeben", die wir uns längst wieder zurückgeholt haben. Oder für die es unser Herr zumindest als nötig erachtet, sie einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.
    Mir ist ganz anders bewusst geworden, dass er da mit uns manchmal heute noch wie mit seinem Volk Israel verfährt. Lest mal 5. Mose 8 wenn ihr grad in so einer Situation seid 🙂 Gott ist so ein guter Vater. Er lässt sich nichts vormachen und trotzdem liebt er sein Kind. Gott bringt mich immer wieder zum Staunen.

    Folgende Verse aus 5. Mose 8 muss ich einfach noch zitieren:
    "Und du sollst an den ganzen Weg gedenken, durch den der Herr, dein Gott, dich geführt hat […] um dich zu demütigen, um dich zu prüfen, damit offenbar würde, was in deinem Herzen ist, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. […] So erkenne nun in deinem Herzen, dass der Herr, dein Gott, dich erzieht, wie ein Mann seinen Sohn erzieht. […] [damit nicht] dann dein Herz sich überhebt und du den Herrn, deinen Gott, vergisst, der dich aus Ägypten herausgeführt hat […] um dich zu demütigen und zu prüfen, damit er dir am Ende Gutes tue; und damit du nicht in deinem Herzen sagst: meine eigene Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir diesen Reichtum verschafft! So gedenke doch an den Herrn, deinen Gott, denn Er ist es, der dir Kraft gibt […]"

    Mir wurde einfach wieder neu klar, dass alles von Gott kommt. Sicher, man weiß das. Aber wenn ich Gottes Geschenke an mich bewusst betrachte, beschämt er mich. Und Geber und Gaben kommen an ihre rechtmäßigen Plätze. Es ist so genial, dass Gott von Anfang an dem Menschen Dinge anvertraut – gleich zu Beginn den Garten, den Adam und Eva "bebauen und bewahren" sollen – und möchte, dass wir daran weiter arbeiten, uns dran freun und es ge- und nicht missbrauchen. Und das alles, um ihn irgendwie besser zu erkennen und zu ehren. So ganz versteh ich das noch nicht.

    Für mich hat das Bild mit den unterschiedlichen Talenten wieder an Bedeutung gewonnen. Egal, wie viel Gott mir anvertraut hat, ich kann immer 100% geben! Nur er möchte, dass ich es FÜR IHN und nicht aus einem anderen Grund tue 🙂

    What you are is God's gift to you.
    What you become is your gift to God.

    • Robert

      Hallo missi,

      ich danke dir, dass du die Zeit genommen hast, deine Erfahrung mit uns zu teilen.

  2. Arne Webner

    Etwas verspätet habe ich nun auch diesen Blog gefunden. Beim durchstöbern fiel mir vor allem dieser Eintrag auf, da mich dieses Thema in letzter Zeit auch sehr beschäftigt.
    Ich dachte, ich könnte als Ermutigung auch eine Kleinigkeit erzählen, die erst kürzlich geschehen ist:

    Ich selbst bin ja leidenschaftlicher Motorradfahrer und besaß eine schnelle Straßenmaschine, welche letzten Winter über komplett überholt, lackiert und umgebaut wurde – es entstand ein wirklich schönes Unikat. Darüber hinaus besaß ich noch eine Geländemaschine zur täglichen Nutzung. Nun wusste ich schon seit längerem, dass ich 1. ein Problem mit meinem Geld habe (ich bin von Natur ein sehr geiziger Mensch) und 2. sehr an diesen Motorrädern hing (materiell schnell gebunden).
    Nun stand für diesen Winter eine Reise nach Afrika an, die finanziert werden sollte. Im Sommer 2013 dachte ich noch ‚garkein Problem, verkaufe ich eins der Motorräder, dann habe ich sowohl genug Geld für die Reise als auch für ein Auto wenn ich im Winter wieder komme und zur Arbeit muss‘. Gesagt, getan: Motorrad ins Internet gesetzt, ein kleines Gebet gesprochen und gewartet.
    Aber nichts geschah.

    Monatelang (der Flug war gebucht und ausgelegt) sah es nicht so aus, als würden sich diese finanziellen Probleme lösen. Ende November sorgte Gott schließlich für den Verkauf der Geländemaschine – der Flug war somit bezahlt.
    Mein viel größeres Problem war aber eigentlich, nach dem Wiederkommen nicht mit dem Motorrad fahren zu können, ich brauchte ein Auto! Paradoxerweise meldete sich niemand, um mein Unikat kaufen zu wollen. Mittlerweile betete ich sehr oft und ernst für einen Käufer, aber es gab keinerlei Reaktion!
    Eines Abends auf einem Gebetsspaziergang brachte ich wieder diese Bitte vor Gott. Er antwortete: „Bist du bereit mir das Geld für die Maschine zu geben?“ Ich war etwas verdutzt und sprach: „Natürlich bekommst du deinen Teil, Gott, ich bin sogar bereit dir mehr zu geben…nicht 10, sondern 20 Prozent!“ Gott erwiderte: „Ich will alles Geld für den Verkauf haben.“

    Ich verstummte und ging einige Minuten ein wenig ziellos den Weg entlang. Ich überschlug immer und immer wieder alle Eventualitäten wie ich Gott das Geld geben, und doch für den Winter sorgen konnte, fand aber keine Lösung. So fing ich wieder an zu beten: „Gott du weißt, ich brauche das Geld für ein Auto, ich habe doch sogar schon nach einem geschaut, wie soll das sonst im Winter werden wenn ich wieder komme? Womit soll ich zur Arbeit fahren?“
    Gottes Antwort war wieder die selbe: „Ich will das GANZE Geld haben.“

    Es folgte ein ziemlich harter Kampf in mir. Niemals zuvor hatte ich es erlebt, meine gesamte finanzielle Rücklage oder Basis einfach abzugeben. Es schien mir sogar unvernünftig es zu tun. Aber Gottes Forderung stand vor mir, unbeweglich. Nach längerem Ringen siegte schließlich die überwindene Kraft Jesu Christi in mir. Ich war bereit, Gott ALLES Geld was ich für das Motorrad bekommen sollte, willig zu übergeben. Es zu spenden, wohin er will.

    Sofort in diesem Moment spürte ich eine derartige Ruhe und einen Frieden, das ist unbeschreiblich. Ich war von einem Moment auf dem anderen frei von diesem Zug zu diesem Geld.
    Einen Tag später folgte Gottes Antwort auf diesen Glaubensgehorsam: wir bekamen ein super sonder Leasingangebot, genau für die Zeit wenn ich aus dem Urlaub wieder kommen sollte.

    Knapp zwei Wochen später – ich hatte die Sache mit dem Motorrad schon abgehakt da ich kurz vor der Afrika Reise stand, und das Geld, das ich dafür bekommen könnte (sie war ja immernoch nicht verkauft) sowieso an Gott gehen sollte – überraschte mich Gott mit einem Käufer. Auf einmal ging alles ganz schnell. Er kam, fuhr sie ein par Meter Probe und sie war verkauft – genau am 24.12.2013.

    Auch wenn das Geld nicht an mich ging, war es doch Gottes ganz persönliches Weihnachtsgeschenk an mich.
    Als ich nun aus Afrika wieder kam, konnte ich es kaum erwarten dieses Geld weiter zu geben. Die Freude, die mich füllte als ich die Überweisung zum Spenden ausfüllt war größer als jene, die ich hatte als ich das Geld beim Verkauf in meine Hände bekam.
    Gott hatte mich befreit und mir ein kleines Stück von der tiefen Wahrheit „Geben ist seeliger als Nehmen“ lehren können.

    Ich danke IHM von ganzem Herzen und bin gewiss, er wird auch weiterhin genau auf solch eine Art sorgen!

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