Das Evangelium und ich

Evangelium

Wir sitzen mit ihr am Mittagstisch. Eine angenehme Person, die wie viele in der heutigen Zeit ganz ohne Gott, ohne zu wissen wer Jesus ist aufgewachsen ist. Aber jetzt, nachdem die Ausbildung abgeschlossen ist, das Leben in ruhigen Bahnen läuft, wird das Fragen nach den ewigen Dingen wach. Sie erzählt, dass sie schon mehrfach von Christen angesprochen wurde. Einmal saß jemand auf dem Flug von London nach Köln neben ihr. Er versprach ihr für sie zu beten. Für sie war es etwas besonderes: Der erste Mensch, der für sie betet.

Ich traue mich erst mal nicht, aber dann frage ich doch: „Hat denn dir jemand von ihnen die frohe Botschaft von Jesus erzählt?“ Ich möchte das Gespräch auf das Evangelium bringen, möchte verstehen, wie viel sie schon weiß um an der richtigen Stelle zu helfen. Sie sagt: „Nein“. Das bringt mich aus der Fassung. Ich starre sie ungläubig an. „Warte mal, was haben denn die Leute zu dir gesagt, als ihr über das Christentum gesprochen habt?“ Sie denkt nach. „Sie haben gesagt ich soll glauben“ und leise fügt sie hinzu „ich weiß aber nicht an was“.

Ich ringe nach Worten. Langsam formen sich Sätze. Ich komme in die Spur, erzähle von der Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes, von dem Problem der Sünde, von dem wie und warum Gottes Sohn ein Mensch geworden ist. Ich zeige ihr das Opfer und die Auferstehung. Und versuche ihr das neue Leben zu erklären. Und ich spühre die Ohnmacht diese herrliche Botschaft angemessen rüberzubringen.

Als wir zurück ins Büro fahren, sagt sie plötzlich: „Dir kaufe ich das ab. Bei den Anderen klingt das so, als ob sie etwas abspulen, das sie auswendig gelernt haben. Bei dir habe ich den Eindruck, als hättest du über jedes einzelne Wort lange nachgedacht.“ Ich sage ihr nichts, aber das stimmt, ich habe über jedes einzelne Wort lange nachgedacht.

Das was sie da im Auto gesagt hat schmeichelt mir und gleichzeitig ist es ein Warnschuss. Wenn das Evangelium nicht wirklich ein Teil von dir ist, kommt es bei den Leuten nicht als echt an. Sie scheinen zu spühren, ob du etwas abspulst, was du auswendig gelernt hast, oder ob das Worte, Bilder und Beispiele sind, über die du lange nachgedacht hast.

Ich glaube, dass auch die Leute, die vor mir mit ihr gesprochen haben, ihr die Grundzüge des Evangeliums erklärt haben. Aber das ist nicht hängen geblieben. Hängen geblieben ist nur dass man glauben soll. Das deckt sich mit einer anderen Beobachtung die ich mache. In dem Material für die Evangelisation, wird sehr oft der Schwerpunkt auf den letzten Schritt gelegt. Auf die „Entscheidung für Christus“. Ich persönlich sehe aber den Schwerpunkt weiter vorn. Bei dem „Problem der Sünde“. Erst wenn der Mensch seine Verlorenheit wirklich begriffen hat. Wenn er die Schrecklichkeit der Sünde, seiner Sünde erkannt hat. Dann erst versteht er, warum er Christus mehr braucht als alles andere in seinem Leben.

Klar ist auch, dass ich das den Menschen nicht beibringen kann. Das kann nur der Heilige Geist bewirken. Deshalb ist es wichtig zu beten, während wir mit den Leuten sprechen. Zu bitten, dass Gott ihnen das Herz öffnet. Aber was Gott von mir erwartet ist die Fähigkeit das Evangelium in einfachen, klaren Worten, mit lebensnahen Bildern und echten Beispielen aus meinem Leben zu erzählen. Dazu muss ich viel darüber nachdenken.

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Kommentaren (2)

  1. Agnes Brose

    Hallo Robert,
    ein echt schöner Artikel, der das Problem der unserer Zeit veranschaulicht. Man meint alles zu wissen und wenn nach dem Glaubensbekenntis gefragt wird, fehlen einem die Worte es einfach und verständlich darzustelln.(zumindest mir 🙂 Gott gebe uns…“ gestiefelt zu sein“..um sein Evanglium zu verkünigen. Denn allein das Evangelium hat die Kraft uns selbst, die Menschen in unserer Umgebung, unserer Gemeinde, unserer Stadt und unserem Land zu verändern. Es ist Gottes mächtige Antwort auf unser Unvermögen
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=oUPlEijJlJQ
    Grüßle Agnes

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